DER TÜRKISCHE KELIM



In den letzten Jahren haben Kelims einen enormen Aufwärtstrend erfahren. Kelims können eine lange Tradition aufweisen auch wenn sie vielerorts noch nicht so bekannt sind, zumindest nicht unter dieser Bezeichnung. Der türkische Teppich wird ähnlich der europäischen Gobelinweberei hergestellt. Die Besonderheit des Teppichs besteht im Schussfaden. Dieser wird nicht durchgezogen. Dadurch entsteht das Muster auf beiden Seiten des Teppichs. Der Kaukasus, Kleinasien, der Balkan und der Iran sind Heimat dieser Wirktechnik. Teilweise wird diese Technik noch weitergeführt, aber man muss lange suchen, will man eine Familie finden, die sich mit der herkömmlichen Herstellung noch befasst.

Die lange Tradition des Kelims Teppich geht auf einen alten, vorislamischen Brauch zurück. Seit Jahrhunderten werden von Nomaden Teppiche für Zeltbehänge, Decken und Bodenbeläge auf Webstühlen gefertigt. Dabei haben die Frauen der Nomadenstämme über Generationen ihre eigenen Muster weiter gegeben. Die Muster sind der Natur abgeschaut. Tier- und Pflanzenmotive werden in den Teppichen verarbeitet. Doch auch die Emotionen der Naturvölker spiegeln sich in den Teppichen wider. Die traditionellen Muster gingen von den Müttern an die Töchter über und werden noch heute gepflegt. Anhand der Muster der Kelims kann man die Hersteller ablesen. Allein dies ist schon recht beeindruckend, konnte sich auf diese Weise doch jede Familie einen Namen machen.

Mit dem Rückgang der Nomadenvölker hat auch die Herstellung der Teppiche für den Eigenbedarf einen Rückgang erlebt. Die Teppiche werden heute überwiegend maschinell gefertigt. Obwohl viele der wunderschönen Muster der vielen Nomadenstämme in die modernen Kelims aufgenommen wurden, sind sie nicht mehr zwingend ein Beweis für das Herkunftsland, was eigentlich recht schade ist. Viele Motive werden heute unter Einbeziehung der traditionellen Muster von Designer entworfen. Deshalb zählen alte Kelims zu den begehrten Sammlerstücken auf dem Kunstmarkt dieser Welt. Auf diese Weise gehen diese Tradition bzw. die Grundmotive nicht ganz verloren.

Einige der begehrten Kelim Teppiche werden heute noch von kleinen Familienbetrieben gefertigt, die alte Traditionen weiter einsetzen. Handversponnene Wolle und Farben, die aus den Pflanzen der Umgebung gewonnen werden, sind das Markenzeichen der kleinen Familienbetriebe. Im Gegensatz zu den maschinellen Produktionen wird hier die Handwerkskunst des Teppichknüpfens in seiner ursprünglichen Form noch gepflegt. Gerade bei Kennern und Sammlern sind diese weiterhin begehrt. So entstehen unverwechselbare Unikate, die auf dem Weltmarkt große Wertschätzung errungen haben. Mit ihren Farben und Mustern lassen sie alle Wohnräume lebendig wirken und vermitteln ein angenehmes Wohnklima. Auch vom Umweltaspekt hat man keine Einschränkungen zu befürchten, da ja auch weiterhin Naturmaterialien verwendet werden.


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