KNÜPFEN ODER WIRKEN



Die Geschichte der Teppiche ist sehr alt. Über die Jahrhunderte haben sich unterschiedliche Herstellungstechniken entwickelt. Auch in Muster und Farben unterscheiden sich die Teppiche je nach Herkunftsort. Jedes der kleinen Nomadenvölker hat in die Teppiche seine Mythen, Sagen und Geschichten eingewebt. Oftmals war der Glaube Grundlage für die entstandenen Motive und Farben. Die kann man an den unterschiedlichen Interpretierungen sehr gut erkennen.

Am Anfang standen die flachgewebten Teppiche. Geflochtene Matten wurden zum Transport von Materialien verwendet. Später entstanden aus den geflochtenen Matten die ersten Teppiche, die keineswegs als Dekorationsgegenstand fungierten sondern den Nomaden für viele Alltagsarbeiten hilfreiche Dienste leisteten. Sie waren Satteldecke und Türvorhang, Salztasche und Sitzgelegenheit, Babywiege und Transportmittel. Teppiche wurden für viele Arbeiten im Alltag eingesetzt.

Teppiche wurden gewirkt oder geknüpft. Die Wirkteppiche besitzen ein glattes Gewebe. Die Kette aus Baumwollgarn oder Leinengarn wird von dem wollenen Schuss vollständig überdeckt. Die Fäden liegen flach und bilden keinen sogenannten Flor. Daher fühlt sich dieser auch unter Umständen sehr viel rauer an, als hochflorige Teppiche. Grundsätzlich obliegt es allerdings dem persönlichen Geschmack für welche Art von Teppich man sich entscheidet.

Bei der Knüpftechnik entstehen Teppiche mit einem plüschartigen Flor. Auf die Kette werden Fäden eingeknüpft, die am Ende der Knotenreihe von Schussfäden abgeschlossen werden. Über die Jahrhunderte haben sich hier zwei Knoten bewährt. Der türkische Knoten ist ein symmetrischer Knoten, der persische Knoten wird asymmetrisch geknotet. Nach Fertigstellung wird der Flor gleichmäßig geschnitten. Bewertet wird ein geknüpfter Teppich nach der Anzahl der Knoten je m². Sehr hochwertige Stücke weisen bis zu einer Millionen Knoten je m² auf. Der „Hereke Treasure“ ist der feinste Teppich der Welt. Er verfügt über 576 Knoten je cm². Für die Herstellung des Teppichs benötigten fünf Frauen fünf Jahre. Dabei hat der Teppich gerade mal eine Größe von 40 x 28 cm. Daran kann man die Hochwertigkeit schon erkennen. Diese handwerklichen Fähigkeiten sind mit der Industrialisierung nicht mehr vergleichbar.

Viele traditionelle Teppiche werden heute kopiert. Sie werden meist mit günstigeren Materialien gefertigt. Dadurch werden die Teppiche für viele preislich erschwinglich. Bis zu 50 Prozent kann der Preis bei einer Kopie im Gegensatz zum Original sinken. Bei einem originalen Teppich erhält man meist eine entsprechende Zertifizierung dazu, der die Einzigartigkeit und die Qualität noch einmal zusätzlich zum Ausdruck bringt. Anhand dieses Zertifikats kann man den Wert ermessen und erhält zusätzlich noch eine Bestätigung für die Echtheit des Teppichs. Vielfach wird ein Teppich auch als Kapitalanlage angesehen, die auch weitervererbt wird.


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