DIE HOHE KUNST DES TEPPICHKNÜPFENS



Zu den schönsten Teppichen der Welt gehört der Seidenteppich aus der Stadt Hereke in der Türkei. Die feinen Seidenteppiche sind äußerste strapazierfähig und von außergewöhnlicher Schönheit. Die Fischer von Hereke haben schon seit Jahrhunderten Teppiche für den eigenen Bedarf geknüpft. Doch erst durch die königliche Hofmanufaktur errang das kleine Fischerdorf Weltruf. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden hier sehr feine Seidenteppiche und exklusive Wollteppiche geknüpft. In diesen Teppichen gipfelt die Kunst des Teppichknüpfens. Die luxuriösen Teppiche von einzigartiger Schönheit gehörten schnell zu den Luxusgegenständen der Reichen und Betuchten.

1844 wurde von Sultan Abdülmecid I. Die königliche Hofmanufaktur in Hereke gegründet. Hier wurden nur für den osmanischen Hof Teppiche, Gewebe und anderes Polstermaterial hergestellt. Für seinen Dolmabahce Palast in Istanbul wollte der Sultan nur die feinsten und schönsten Teppiche der Welt haben. Laut einer Sage wählte er Hereke, weil er bei einer Fahrt durch den Ort von der malerischen Bucht und seiner Umgebung fasziniert war. Für seine Manufaktur engagierte der Sultan nur die besten Künstler und die begabtesten Teppichknüpfer. Für die Herstellung wurde nur die feinste Seide verwendet. Durch die besondere Technik des Knüpfens gelangen einzigartige Meisterwerke.

Die Perfektion der Teppiche, ihre Schönheit und Farbenpracht ist bis heute unübertroffen. Die Muster der Hereke Teppiche entstammen traditionellen Motiven aus Ägypten, Persien und Anatolien. Detailreiche Blumen und Tiere schmücken die Teppiche, die damals nur für den Palast entworfen wurden. Es war damals schon beeindruckend welche Details hier zum Vorschein kamen und welche klaren Linien angefertigt werden konnten. Zur damaligen Zeit entstanden nach Schätzungen etwa 140 Teppiche und 115 Gebetsteppiche. Ab den 19. Jahrhundert wurden die Teppiche auch für den Adel des Osmanischen Reiches hergestellt. Doch auch Staatsoberhäupter und königliche Familien erhielten die Teppiche als Gastgeschenk. Wer einen Teppich erhielt, lag in der Hand des Sultans, den dieser entschied höchstpersönlich, wer mit einem solchen Geschenk bedacht wurde. Natürlich war ein Teppichgeschenk für viele Menschen eine sehr große Ehre und man wusste diese Geste auch wirklich zu schätzen. Doch man musste auch darauf achten, dass ein Geschenk vielleicht auch mit einer Gegenbitte verbunden war.

Nachdem die Produktion der Teppiche am Anfang des 20. Jahrhunderts fast eingestellt wurde, ließen gegen Mitte der 50er Jahre einige Knüpfmeister die alte Tradition wieder aufleben. Noch heute werden sie vereinzelt nach alter Tradition hergestellt und erfreuen den Besitzer. Bis heute haben die Teppiche nichts an Schönheit und Perfektion verloren, weshalb ein Teppichbesitzer wohl nicht freiwillig auf seinen Teppich und seinen damit verbundenen Wert verzichten würde.


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