Teppiche aus dem hohen Tibet

Fliegende Teppiche gibt es leider noch nicht zu kaufen. Die wundervollen Dinger, mit denen man die ganze Welt bereisen könnte, gibt es leider nur im Märchen. Doch Teppiche, auf denen Märchen zu sehen sind, findet man es in großer Vielfalt in den Fachgeschäften. Vor allem im Hochland von Tibet werden einmalige Unikate gefertigt, die aus jahrhundertealten Traditionen entstanden sind. Doch nicht nur die Bilder auf den Teppichen sind einzigartig. Auch die Technik der Teppichherstellung ist unvergleichlich. Die hohen handwerklichen und künstlerischen Fähigkeiten der Tibetaner bringen hochwertige Teppiche von wundervoller Schönheit hervor. Durch die Besetzung von China werden heute diese Teppiche auch im Exil in Nepal gefertigt.
Die Herstellung von Teppichen in Tibet kann bis in vorchristliche Zeiten zurück verfolgt werden. Da Teppiche in Tibet vor allem als Sitzgelegenheit verwendet werden, werden sie in der traditionellen Größe von 90 x 180 cm gefertigt. Doch auch als Satteldecken für die Pferde fanden die Teppiche Verwendung. Inzwischen sind die hochwertigen Teppiche vor allem als Wandschmuck in vornehmen Häusern zu finden. Da die Nomaden des Tibets relativ abgeschieden lebten, entwickelten sich hier spezielle Techniken. Die dafür verwendete Wolle stammt von den Hochlandschafen der Region. Ihre langfaserige Struktur garantiert eine lange Haltbarkeit und eine hohe Stabilität. Der ungewöhnliche hohe Anteil an Lanolin bleibt durch die schonenden Methoden der Verarbeitung erhalten. Die karge Vegetation der hohen Regionen bestimmte die Farbgestaltung der Teppiche. In Kupferkesseln wurde die Wolle bis zum Ende des 19.Jahrhunderts mit Naturpigmenten gefärbt. Erstaunlich, dass trotzdem ein unvergleichlicher Farbenreichtum entstand. Rot, Orange, Gelb, Blau, Braun und Rosa entstanden in verschiedenen Nuancen, die von den natürlichen Farben Schwarz, Weiß und Grau der Wolle ergänzt wurden. Die Fixierung für leuchtende Farben wurde ebenfalls aus natürlichen Stoffen gewonnen. So ist dies schon ein beträchtlicher Unterschied zwischen den handgefertigten Teppichen und denen, die mit Maschinen hergestellt werden. Oft schlägt sich die bessere Qualität und Güte auch im Preis nieder, was sich aber auf lange Sicht definitiv bezahlt machen wird.
Die einzigartige Knüpftechnik der Teppiche mit dem tibetanischen Knoten ermöglicht eine hohe Flordichte. Die sogenannte Schuss-Verdoppelung gibt dem Teppich eine ungewohnte Festigkeit. Traditionell sind auch die Motive. Tierdarstellungen, Blumen, Einhörner und Naturelemente bestimmen die Muster. Viele entstammen der buddhistischen Religion und erzählen bei näherer Betrachtung auch die ein oder andere Geschichte, eine Art Bildergeschichte, die auf diese Weise die Fantasie des Betrachter anregt. So ist jeder Teppich auf seine Weise ein Unikat.

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